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Was ist Meditation?



Von Stephan Bielfeldt

Wenn wir das Wort Meditation hören, kommen eine Fülle von Gedanken und Assoziationen auf. Was wir gelesen, im Fernsehen gesehen, von Freunden gehört haben. Es fallen uns, östliche Religionen wie Buddhismus und Hinduismus, spirituelle Lehrer, Gurus und Scharlatane ein. Ist Meditation hilfreich, ist sie für uns westliche Menschen überhaupt zugänglich? Wir denken an Askese und Kloster, Weltfremdheit und Erleuchtung.

Wenn wir jetzt in diesem Moment, wo wir die Zeilen lesen, unsere Gedanken und Gefühle beobachten, sind wir vielleicht erstaunt, was unser Verstand alles zu dem Thema produziert und welche Vielfalt von Gefühlen die Gedanken begleiten. "Oh ja, Erleuchtung, das wäre etwas, man wäre für immer aller Sorgen ledig," sagt der Verstand, und der Körper erhält einen Schwall positiver Gefühle. "Ich bin viel zu undiszipliniert, um regelmäßig zu meditieren." Dieser Gedanke löst gleich Frust- und Resignationsgefühle aus.

Kann man dies alles einmal einfach nur beobachten? Ist da ein wirkliches Interesse sich einmal gewahr zu werden, dass uns ein Strom ruheloser Gedanken nahezu jeden Moment erfüllt, dass ein ständiges auf und ab der Gefühle mit diesen Gedanken wie zwangsläufig einher geht?

Schon sind wir mitten in dem, was ich als Meditation bezeichnen möchte. Es ist kein theoretischer Diskurs über Meditation nötig, kein Suchen nach dem besten System, kein langwieriges Lernen von Sitzpositionen und Gedankenkontrollübungen.

Die Meditation, die ich meine, ist sehr einfach, was allerdings nicht heißt, dass sie uns leicht fällt. Einfach nur gewahr zu werden, was in uns geschieht - das ist alles. Genau das sind wir aber überhaupt nicht gewohnt. Aufmerksam sein, ohne Konzentration und Fokussierung, ohne Bewertung und Kommentar, einfach nur alles, was in diesem Moment ist, direkt und ohne Trennung zu erleben, gerade so, wie es eben ist. Geht das überhaupt? Man kann es hier und jetzt einmal ausprobieren, es kann ohnehin immer nur im Jetzt geschehen, denn Vergangenheit ist nur noch Erinnern und das geschieht jetzt und Zukunft ist eine Projektion des Denkens, ein sich vorstellen was morgen sein wird und auch dies geschieht jetzt. Kann man gewahr werden, dass Zeit und Werden von unserem Denken und Erinnern geschaffen wird? Gedanken erschaffen auch die Trennung in ich und du, schön und hässlich, gut und böse. Wenn da ein Interesse besteht, direkt und jetzt zu erleben, was da in uns geschieht, es zu hinterfragen, dann stellt sich ganz natürlich eine Aufmerksamkeit ein, eine Energie des Lauschens, und Meditation findet statt.

Viele Menschen stellen sich vor, Meditation ist eine Art Gedankendisziplinierung. Und in der Tat arbeiten viele Meditationssysteme mit Übungen, wie Atem zählen, Mantras, Benennen der Gedanken, die aufkommen oder mit der Konzentration auf Bilder oder Vorstellungen.

Diese Meditation kommt ohne Konzentrationsübungen aus, es geht auch nicht darum, die Gedanken zum Verschwinden zu bringen oder die Außenwelt auszublenden. Im Gegenteil: Alles, was in diesem Moment ist, darf ohne Wahl, eben so wie es ist, da sein. Geräusche der Umgebung, der Körper mit seinen Empfindungen, Gedanken die aufkommen, Gefühle jeglicher Art, wie sie eben gerade da sind, ob Langeweile oder Besorgtheit, Ängste oder Freude, Begehren oder Widerstreben. Kann das alles einfach, so wie es gerade ist, da sein, ohne es zu benennen, ohne zu denken: "Da singt eine Amsel" und wenn der Gedanke kommt, den Gedanken zu sehen ohne weiter darüber nachzusinnen? Ohne trennende Begriffe und Bewertungen verschwindet das Empfinden von Abgetrenntheit. Alles ist wie es ist, ohne Unterschied, ohne Widerstand, ohne es zu wollen oder nicht zu wollen. In dieser schlichten Offenheit und Verbundenheit geschieht es, dass sich der Körper beruhigt, Sorgen und Ängsten plötzlich still werden, Ärger und Gier verschwinden. Bis uns der nächste Strom von Gedanken mitreißt, und wir uns in einem Traum von Denken und Gefühlen verlieren. Aber ganz von alleine wachen wir daraus wieder auf. Und es ist wieder Raum, einfach nur da zu sein, ungetrennt und ganz.